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Review: 10.5“ iPad Pro mit Apple Pencil und Smart Keyboard

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Ich habe das neue 10.5“ iPad Pro nun seit knapp zwei Wochen in Gebrauch und bin einfach begeistert. Es ist genau das iPad, das sich viele seit langem wünschen. In diesem Review erfahren Sie, wie es sich in der Praxis schlägt.

Eigentlich hätte ich nicht unbedingt ein neues iPad gebraucht. Mein iPad Air 2 tut brav seinen Dienst, auch wenn man ihm sein technologisches Alter bei manchen Arbeiten schon anmerkt. Leider bin ich beruflich auf eine bestimmte 32-Bit-App angewiesen, welche seit 2011 nicht mehr aktualisiert wurde und die ab iOS 11 definitiv nicht mehr funktionieren wird.

Da ich iOS 11 aber zum Testen von Software benötige und es auch für meine tägliche Arbeit nutzen möchte, habe ich bereits bei seiner Präsentation auf der WWDC Keynote mit dem neuen iPad Pro geliebäugelt. Schon jetzt arbeite ich häufiger mit dem iPad, als dem MacBook Pro und so schenkte mir die beste Ehefrau der Welt ein nagelneues 10.5“ iPad Pro Wi-Fi komplett mit Apple Pencil und Smart Keyboard. Seitdem lege ich es nur noch ungern aus der Hand.


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Gehäuse

Das neue 10.5“ iPad Pro dürfte für einen Grossteil der Anwender eine nahezu ideale Grösse haben. Das Gehäuse ist nur gut einen Zentimeter länger und einen halben Zentimeter breiter als das des iPad Air 2 und anderer 9.7“ iPads. Durch die schmaleren seitlichen Ränder wächst die Bildschirm-Diagonale aber um gut zwei Zentimeter, was nicht nur für 20 Prozent mehr Bildschirmfläche und höhere Auflösung sorgt, sondern auch eine normal grosse On-Screen-Tastatur ermöglicht.

An der Gehäusedicke ändert sich im Vergleich zum iPad Air 2 nichts, beide Modelle sind exakt 6,1 mm flach. Auch das Gewicht ist nahezu gleich (iPad Pro: 469 g, iPad Air 2: 437 g).

Das neue Tablet liegt gut in der Hand. Material und Verarbeitungsqualität entsprechen dem, was man in dieser Preisklasse von Apple erwartet. Zudem wurden am Gehäuse einige Details verfeinert. Wer zuvor schon ein iPad ähnlicher Grösse hatte, gewöhnt sich schnell an das neue Modell.


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Display

Neben dem leicht veränderten Formfaktor ist das Display des 10.5“ iPad Pro die auffälligste Verbesserung gegenüber den Vorgängermodellen. Es ist nochmals etwas heller und schärfer als das der iPad-Generationen zuvor. Ausserdem geht das Schreiben, Zeichnen und Malen mit dem Apple Pencil nun beinahe so natürlich von der Hand, wie man es von Stift und Papier, oder Pinsel und Leinwand kennt.

Grund dafür ist die neue „ProMotion“-Technologie. Mit einer Frequenz von bis zu 120 Bildern pro Sekunde erkennt die Sensorik verblüffend genau, wie stark man mit dem Digitalstift auf das Display drückt und führt Strichstärke und Farbdeckung entsprechend aus. Die Technik erkennt auch, wenn das Malwerkzeug sehr flach geführt wird, wie es etwa Zeichner gern bei Schattierungen machen.

Bemerkenswert ist auch das bereits vom Vorgängermodell bekannte True-Tone-Feature. Damit passt sich die Farbtemperatur des Bildschirms auf Wunsch automatisch an das aktuelle Umgebungslicht an. Sitzt man mit dem iPad Pro zum Beispiel im warmen Sonnenlicht, erstrahlt auch die Anzeige in wärmeren Tönen. Arbeitet man in kaltem Bürolicht, wechselt die Lichtfarbe ebenfalls entsprechend.

In der Praxis funktioniert dieses Feature nahezu perfekt. Schon nach kurzer Zeit denkt man nicht mehr darüber nach. Nimmt man aber ein anderes Gerät ohne diese Funktion in die Hand, fällt einem das meist sofort auf.

Der Bildschirm wurde auch in anderen Details verbessert. Die Auflösung steigt im Vergleich zum iPad Air 2 zwar nur geringfügig von 2048 x 1536 auf 2224 x 1668 Pixel, und es bleibt bei einer Pixeldichte von 264 ppi, dafür glänzt das Neue mit einem erweiterten Farbraum (P3) und einer Bildfrequenz von bis zu 120 Hz.

Letzteres macht sich nicht nur bei grafisch anspruchsvollen Spielen bemerkbar, sondern auch bei Alltäglichkeiten, wie dem Scrolling oder dem Verschieben von Objekten. Da ruckelt kaum noch etwas, alles bewegt sich schneller und geschmeidiger als bei früheren iPad-Generationen. Der Effekt ist angenehm, fällt aber in der Praxis weit weniger auf, als es Apple und einige Rezensenten glauben machen wollen.

Das liegt daran, dass das neue iPad Pro die Bildwiederholrate dynamisch regelt. Je nachdem was gerade passiert, variiert sie stufenlos zwischen 24 Hz (Ruhemodus), 60 Hz (Normalbetrieb) und bis zu 120 Hz (High Performance). Die „Turbo“-Darstellung springt also nur an, wenn sie tatsächlich gebraucht wird.

Anwender, denen bei solch hohen Framerates leicht mulmig wird, oder wer zum Beispiel zum Abfilmen des Bildschirms eine feste Bildfrequenz benötigt, kann diese manuell auf 60 Hz begrenzen.


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CPU und Grafik

Apples neuer A10X „Fusion Chip“ hat sechs Rechenkerne und ist ein richtiges Biest. Zusammen mit dem M10 Coprozessor ist er leistungsfähiger, als manch aktueller Laptop-Prozessor. Das belegen aktuelle Benchmark-Tests. Die GPU hat ebenfalls 6 Kerne und wird durch einen von Apple entwickelten „lernfähigen“ Bildsignalprozessor beschleunigt.

In der Praxis zeigt sich das neue iPad Pro erfreulich agil. Egal was man macht, die gewünschten Ergebnisse werden blitzschnell und knallscharf auf den Schirm gezaubert. Der eingebaute 4 GB Arbeitsspeicher sollte auch für gelegentlichen 4K-Videoschnitt, ausschweifende Fotobearbeitung und anspruchsvolle 3D-Games ausreichen.

Akku

Die fest eingebauten Lithium-Polymer-Akkupacks haben laut Apple eine Gesamtkapazität von 30,4 Wattstunden und sollen genug Saft für bis zu 10 Stunden Dauerbetrieb liefern.

Ich habe das iPad nun zwei Wochen getestet – allerdings mit iOS 11 Developer Beta 1+2. Auch damit reichte der Akku für mindestens 10 Stunden. Und das, obwohl frühe Betriebssystem-Versionen sich stets durch signifikant höheren Stromverbrauch auszeichnen. Die iOS 11 Betas stellen diesbezüglich keine Ausnahme dar. Bei Verwendung von offiziellen iOS-Releases sollten meiner Einschätzung nach locker 12-15 Stunden Akkubetrieb möglich sein – auch ohne nennenswerte Strom-Sparmassnahmen.

Audio

Auch bei der Klangqualität hat das neue iPad zugelegt. Das 10.5“ Pro-Modell verfügt über 4 eingebaute Lautsprecher und Stereo-Wiedergabe. Der Sound direkt aus dem iPad ist dadurch hörbar kräftiger und klarer als zuvor.

Im Gegensatz zum iPhone 7 ist findet sich am iPad Pro auch noch ein analoger 3,5mm Kopfhöreranschluss, dessen Audioqualität gegenüber den Vorgängermodellen ebenfalls leicht verbessert wurde. Im Vergleich zum iPad Air 2 erscheint alles etwas höher aufgelöst und wirkt insgesamt stimmiger. Bässe kommen ein bisschen schlanker, dafür konturierter. Mitten und Höhen werden mit mehr Details und weniger Verzerrungen wiedergegeben.

Das neue iPad Pro spielt in Sachen Klangqualität auf erfreulich hohem Niveau, sofern man halbwegs hochwertige Ohrstöpsel oder Kopfhörer verwendet. Externe Audio-Hardware in Form von D/A-Wandlern, Interfaces oder Kopfhörer-Verstärkern dürfte nur noch für Profis und ausgemachte HiFi-Freaks in Frage kommen.


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Foto und Video

Apple hat dem 10,5“ iPad Pro genau die gleichen Kameras wie dem iPhone 7 spendiert. Das heisst, 12 Megapixel und 4K-Video sowie optische Bildstabilisierung für die rückwärtige Hauptkamera und eine frontseitige Facetime-Kamera mit 7 Megapixel Auflösung und 1080p HD-Video.

Über die Bildqualität dieser iSight wurde schon viel geschrieben. Sie gehört zum Besten, was man heutzutage in Mobilgeräten finden kann. Tatsächlich nutze ich die Kamera meines iPhone 7 wesentlich häufiger, als die früherer Generationen – einfach weil sie für den Alltagsgebrauch sehr ansehnliche Ergebnisse liefert.

Auf das Dual-Lens-System des iPhone 7 Plus, das zwei vollwertige Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten bietet, muss man beim iPad Pro allerdings verzichten. Dafür eignet sich die iSight bestens zum Scannen von Dokumenten und Belegen. In iOS 11 lässt sich das übrigens mit der kostenlos mitgelieferten Notizen-App erledigen. Auch hier sind die Resultate qualitativ hochwertig. Kostenpflichtige Scan-Apps sind in Zukunft also nicht mehr unbedingt erforderlich.

Leider steht die Linse der iSight etwas aus der Gehäuserückseite hervor. Manche Leute hassen das. Ich finde es nicht so tragisch. Erstaunlich aber ist die Tatsache, dass Apple bisher keine Schutzhülle für die Rückseite des 10,5“ iPad Pro anbietet. Kunden, die nicht nur das Gehäuse, sondern auch das herausstehende iSight-Objektiv schützen möchten, müssen diesbezüglich auf Drittanbieter-Zubehör zurückgreifen – von dem jedoch bisher kein einziges mit Apples 10,5“ Smart Keyboard kompatibel ist.


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Smart Keyboard

Apple bietet für das 10.5“ iPad Pro ein neue Schutzhülle mit eingebauter Tastatur an. Wie beim 9.7“ Vorgängermodell benötigt das Smart Keyboard weder einen Akku zur Stromversorgung, noch eine Bluetooth-Verbindung für das Zusammenspiel mit dem iPad. Beides erfolgt über den magnetischen Smart Connector auf der linken Seite. Zieht man das Smart Keyboard vom iPad ab, wird augenblicklich die iOS-Tastatur auf dem Display eingeblendet. Einfacher und komfortabler geht es nicht.

Für mich ist es das erste Apple Smart Keyboard. Ich habe zuvor nur externe Tastaturen von Drittanbietern an meinem iPad Air 2 verwendet. An das neue Smart Keyboard musste ich mich erst gewöhnen.

Zum einen, weil das Gesamtgewicht des iPad Pro damit auf fast ein Kilogramm anwächst. Beim Hochnehmen des Geräts fühlt man sich an das iPad der ersten Generation erinnert, doch schon nach kurzer Zeit gewöhnt man sich an, die Schutzhülle abzunehmen, wenn man sie nicht benötigt.

Der Faltmechanismus ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Anfangs fuchtelt man ziemlich unbeholfen damit herum, bis man das iPad in der gewünschten Position hat. Alternativ kann man das iPad auch mit eingeklappter Tastatur fast senkrecht aufstellen. Wie das geht, musste ich tatsächlich erst nachgucken. Nach ein paar Tagen kommt man schon besser mit dem Klapperatismus zurecht.

Gewöhnen muss man sich auch an das Tippgefühl. Das Smart Keyboard ist mit einem nylonartigen Kunstoffgewebe überzogen, das zwar vor Krümeln und Nässe schützt, sich aber merkwürdig anfühlt. Hinzu kommt, dass der Tastaturanschlag etwas „pappig“ ist. Man bekommt deutlich zu spüren, dass man auf einer dünnen Plastikmatte herumtippt – und es hört sich auch so an. Das Smart Keyboard verleitet dazu, etwas kräftiger als sonst in die Tasten zu hauen. Das wiederum quittiert die Klaviatur mit lautem Klackern, welches sich ziemlich billig anhört.

Nichtsdestotrotz lässt sich schon nach kurzer Eingewöhnung sehr gut auf dem Smart Keyboard tippen. Es ist deutlich weniger komfortabel, als beispielsweise Apples Magic Keyboard für den Mac, aber als kompakte und leichte Alternative zum Notebook geht es schon in Ordnung. Schön ist auch, dass einige der vom Mac bekannten Tastaturkürzel funktionieren – und das in erfreulich vielen Apps.

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Apple Pencil

Wie bereits erwähnt, reagieren die Displays der neuen iPad Pro Modelle sensibler und präziser auf Eingaben per Apple Pencil. Ich kannte bisher nur einfache Stifte wie den Wacom Pen und muss sagen, dass mich die Kombination aus iPad Pro und Apple Pencil echt begeistert. Man kann damit schreiben, zeichnen und malen, wie auf Papier. Der Apple Stift taugt auch als Detailwerkzeug in Kreativ-Anwendungen, wie etwa Affinity Photo.


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Fazit

Das neue iPad Pro ist ein feines, aber auch recht kostspieliges Stück Technik. Noch nie war ein iPad so schnell, noch nie hatte ein iPad so ein so brillantes Display und noch nie war die Bedienung intuitiver. Mit iOS 11 wird Apple im Herbst noch zahlreiche Feature nachliefern. Zusammen mit dem Apple Pencil und dem Magic Keyboard ist es aber schon jetzt ein rundum überzeugendes Produkt, das richtig Spass macht.

iPad Pro und iOS 11 sind auch ein klares Bekenntnis von Apple zur Zukunft dieser Plattform. Für manche User wird das iPad womöglich nie ein vollständiger Ersatz für Mac oder PC sein, aber für einen Grossteil der Anwender dürfte das neue 10.5" iPad Pro schon jetzt eine ernsthafte Alternative sein.

Bewertung


Exzellent


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Bilder: Apple Inc; ext: Thomas Landgraeber;

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