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Exclusiv: Raubüberfall auf Berliner Apple Store wirft Fragen auf

Abendschau-Screenshot

Wurde das Kreditkarten-Zahlsystem zuvor lahmgelegt?

Kunden und Passanten des Berliner Apple-Stores wurden am Samstagabend Zeugen eines spektakulären Raubüberfalls. Nach Polizeiangaben bedrohten drei maskierte und bewaffnete Männer mitten auf dem Kurfürstendamm den Fahrer eines Geldtransporters und erbeuteten die Tageseinnahmen des Apple-Tempels. Zuvor war dort das Kreditkarten-Abrechnungssystem ausgefallen, sodass Käufer vermehrt mit Bargeld zahlten.

Die Täter schlugen zu, als der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma gerade dabei war, sechs Geldkassetten in einen gesicherten Transporter zu laden. Sie flüchteten in einem auf der gegenüberliegenden Strassenseite wartenden schwarzen Citroen. Etwas später wurde auf einer Ausfallstraße weiter südlich ein brennendes Fahrzeug entdeckt, bei dem es sich laut Polizei um das Fluchtfahrzeug handeln könnte. Nach den Tätern wird noch gefahndet. Zur Höhe der erbeuteten Summe wurden bisher keine Angaben gemacht. Das Landeskriminalamt Berlin hat die Ermittlungen übernommen.

Einige Stunden zuvor war ich selbst im Apple-Store, um die neuen iPhone 6 in Augenschein zu nehmen und ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Der Laden war noch voller als sonst an einem Samstagnachmittag. Die neuen Smartphone-Modelle lockten Massen an Neugierigen an und rund um die Tische gab es kaum ein Durchkommen.

Beim Bezahlen wurde mir von etwas entnervten Mitarbeitern mitgeteilt, dass das Kreditkarten-Abrechnungssystem derzeit nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stehe. Ich könnte entweder bar zahlen, oder müsste mich auf eine längere Wartezeit einstellen. Die Verkäuferin, die mich bediente, dachte zunächst an einen Fehler ihres mobilen Kassenterminals und versuchte es nach einem vergeblichen Neustart des Gerätes mit dem einer Kollegin. Doch auch dort waren keine Zahlungen per Kredit- oder EC-Karte möglich.

Schnell wurde klar, dass es sich um einen Totalausfall zu handeln schien, denn auch an anderen Zahlstellen zogen Kunden vermehrt Geldscheine statt Kreditkarten aus ihren Portemonnaies. Aufgrund der Reaktionen des Personals hatte ich den Eindruck, dass dies nicht zum ersten Mal an diesem Tag geschah. Da ich den Laden kurz darauf verliess, kann ich nicht sagen, wie lange die Störung anhielt – und ob sie überhaupt für einen signifikanten Anstieg der Bargeld-Einnahmen sorgte.

Falls das der Fall sein sollte, stellt sich jedoch die Frage, ob das Kreditkarten-System womöglich vorsätzlich durch Manipulation lahmgelegt wurde. Für diese These gibt es derzeit allerdings weder klare Anhaltspunkte, noch Beweise oder offizielle Stellungnahmen. Möglicherweise ist es purer Zufall, doch die Zusammenhänge sind schon bemerkenswert.

Eine vorsätzliche Störung des bargeldlosen Zahlsystems mag zwar theoretisch möglich sein, die praktische Durchführung dürfte sich aber schwierig gestalten. Vielleicht wurde der Laden auch nur durch Komplizen beobachtet, die den Ausfall als idealen Zeitpunkt für einen bereits geplanten Raubüberfall ausmachten und die Täter entsprechend informierten.


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Titelbild: Screenshot RBB-Abendschau via Heise; Text: Thomas Landgraeber

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