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Chirp: Nicht alle Twitter Entwickler sind begeistert


Gestern und heute findet in San Francisco die erste Twitter Entwickler-Konferenz statt: The Chirp Conference. Das Micro-Blogging-Netzwerk hat bereits über 105 Millionen Nutzer und täglich kommen 300.000 neue hinzu. Neben der geplanten Werbeplattform „Promoted Tweets“ wird das Unternehmen künftig auch einen eigenen URL-Shortener einführen. Ausserdem werde es neben der kostenlosen BlackBerry-Twitter-App und dem geplanten Tweetie-Nachfolger Twitter for iPhone auch offizielle Gratis-Programme für Mac und Android geben. Diese Botschaften kommen nicht bei allen Entwicklern positiv an.

Eigene Apps und neue Features

Twitter CEO Evan Williams sagte, die Entwickler sollten aufhören, die Löcher in den Twitter-Diensten zu füllen und stattdessen lieber „tolle neue Killer-Apps“ produzieren. Denn die Löcher stopft die Firma lieber selbst. So wird es in Zukunft einen eigenen Dienst zur Verkürzung von Internetadressen geben, ähnlich bit.ly.

Ausserdem stehen Erweiterungen bei den ortsbezogenen Geo-Tweets an. Mit dem neuen Feature „Points of interest“ können Nutzer demnächst auf Ortsbezeichnungen in Tweets klicken, bekommen eine Karte angezeigt und können sehen, was andere User bereits über diesen Ort geschrieben haben. Ob diese neuen Funktionen in direkte Konkurrenz zu Gowalla und Foursquare treten wird, ist noch nicht ganz klar, es sieht aber ganz danach aus. Twitter stellt Entwicklern ein API zur Verfügung, damit sie das Feature-Set in ihre eigenen Apps integrieren können.

Doch wie sinnvoll es für Entwickler in Zukunft sein wird, überhaupt noch eigene Twitter-Apps zu entwickeln, ist fraglich. Twitter plant, auf beinahe allen Plattformen mit eigenen, kostenlosen Clients vertreten zu sein. Den anwesenden Entwicklern wurde erklärt, man wolle damit vor allem neuen Usern den Zugang zu Twitter erleichtern. Der Vielzahl erhältlicher Programme sorge für Verwirrung, der man mit eigenen Angeboten entgegen treten möchte.

Nachdem man bereits mit dem BlackBerry-Hersteller RIM eine offizielle Twitter-Anwendung realisiert hat, wurde vergangenes Wochende die Zwei-Mann-Software-Schmiede Atebits übernommen, um aus dem beliebten iPhone-Client Tweetie künftig „Twitter for iPhone“ zu machen. Später wurde bekannt, dass man mit der Mac-Version von Tweetie die gleichen Pläne hat. Gestern wurde zudem eine offizielle Android-Anwendung angekündigt.

Dass diese Nachrichten nicht gerade für Begeisterung unter den Entwicklern sorgte, ist verständlich. Twitter macht ihnen mit eigenen Gratis-Programmen Konkurrenz und es wird künftig schwieriger, mit Drittanbieter-Software auf dieser Plattform Geld zu verdienen. Ein kleines Bonbon hat Twitter aber dennoch für sie: Einige Beschränkungen beim Zugriff auf den Datenstrom werden beseitigt.



Promoted Tweets

Die - zumindest aus Anwendersicht - wichtigste Neuerung ist jedoch etwas anderes. Die Werbeplattform „Promoted Tweets“ ist der erste Schritt hin zur breit aufgestellten Kommerzialisierung des Dienstes. Die Twitter-Führungsriege wurde auf der Chirp Conference nicht müde zu betonen, dass es sich dabei nicht um klassische Werbeanzeigen handelt, sondern um richtige Tweets, die sich bestens für Realtime-Promotions eignen und sich intelligent verhalten. Beispiel: Startet eine Firma vier verschiedene Promoted Tweets, und reagieren die User nur auf drei davon positiv, so wird die vierte aussortiert. Auf diese Weise soll sich nur solche Werbung verbreiten, die die Nutzer auch mögen.

Überhaupt seien die Promoted Tweets eher als eine Bereicherung des Angebots zu sehen, und nicht als Störung. Die Verantwortlichen sind sich aber selbst noch nicht sicher, wie das ankommen wird. Für den Anfang wird es die Reklame-Tweets lediglich auf der Twitter-Website und in der Suche geben, doch dabei wird es nicht bleiben. Software-Hersteller können die Werbung via APIs in ihre Apps einbauen und werden zu 50 Prozent an den Erlösen beteiligt.

Natürlich steht es Entwicklern frei, auf Werbung in ihren Programmen zu verzichten und sie weiterhin kostenpflichtig anzubieten. Doch es dürfte klar sein, dass man in Zukunft schon einiges an Features und gutem Design aufbieten muss, um Geld mit Twitter Software zu verdienen.

Weitere Fakten zu Twitter:
• 105.779.710 registrierte Nutzer
• 300.000 neue Mitglieder täglich
• 37% nutzen Twitter mit ihrem Mobiltelefon
• 60% der Nutzer zwitschern von ausserhalb der USA
• 75% des Datenaufkommens durch Drittanbieter-Programme
• 60% aller Tweets kommen von Drittanbieter-Programmen
• Monatlich 180 Millionen „unique visitors“
• 600 Millionen Suchanfragen täglich
• Über 100.000 registrierte Twitter Applications
• Twitter hat nun 175 Mitarbeiter, vor einem Jahr waren noch 25

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Via: Mashable, TechCrunch; Oberes Bild: Twitter; Screenshot: Mashable; Text: Thomas Landgraeber

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