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Review: Google Inbox

InboxHero

Neue Wunderwaffe gegen die Email-Flut

Ein Gastbeitrag von Mathias Rhein | Google hat mit Inbox eine brandneue Erweiterung für Gmail vorgestellt. Sie kombiniert einen modernen Posteingang mit einer Productivity-Zentrale für Termine, Chats und mehr. Das klingt, als könnte es einem viel Organisationsarbeit abnehmen. Doch lohnt es sich, dafür noch mehr Privatsphäre preiszugeben?

Wenn es um Google geht, gibt es meist nur zwei klare Meinungen: Entweder „Toller Browser mit schneller Suchmaschine!” oder „Der Internet gewordene Teufel will alles über mich wissen, um es dann gegen mich zu verwenden!”.

Nun ist die gute alte Email seit jeher ein Medium, das stets aus dritter Hand kommt und bei dem man sich niemals „wirklich sicher“ sein kann. Wenn Sie also bereits ein Gmail-Konto haben und der Teufel eh schon alles über ihre Vorlieben und Schattenseiten weiss, sollten Sie Googles neue Wunderwaffe zur Bezwingung der Email-Flut vielleicht einfach mal ausprobieren, denn sie bietet durchaus einige Verlockungen.

Vorerst nur auf Einladung

Inbox befindet sich derzeit noch in Erprobung und ist nur auf Einladung erhältlich. Interessenten können unter der Adresse inbox@google.com oder auf www.google.com/inbox/ bewerben. Bei positivem Bescheid kann man sich mit seinem Gmail-Konto im Inbox Webinterface, oder in den bereits erhältlichen Android- und iOS-Apps* anmelden.

Was genau ist Inbox?

Was Google hier in sein neues Emailprogramm integriert hat, ist eine abgespeckte und für die eigenen Zwecke zurechtgebogene Variante eines bislang kostenpflichtigen Verfahrens, bei dem Firmen die Emails ihrer Kunden sichten und vorbewerten.

Inbox spannt den Kutscher vor den Karren: Die Selektion betreiben Sie, Google sortiert dafür brav alles so weg, wie es Ihnen gefällt. Klingt nach win-win, oder? Der Unterschied: Die kostenpflichtigen Apps haben durch die Dienstleistung das Wohl ihrer Kunden im Sinn. Nur was könnte bloß die Motivation hinter so einem altruistischen Schachzug bei einer Firma sein, die ihr Geld mit Werbung verdient? Eine Perspektive bietet dieser Artikel.

InboxOSXEmpty

Features

Das Prinzip von Inbox ist einfach: Durch eine Mischung von Automatisierung und Vereinfachung der Darstellung wird dem Nutzer nicht nur das lästige Sortieren abgenommen, sondern auch für jede weitere Email aus dieser Quelle vorsortiert. Google setzt damit an zwei der größten Kritikpunkte des alten Gmail an: Filter und Tabs. Zusätzlich kann man ebenso einfach emails auf später terminieren und erreicht auf diesem Weg schneller die ersehnte leere Inbox (komplett mit Sonne, siehe oben).

Inbox_iPadMenu

Filter erstellen leicht gemacht

Jeder, der es schon mal probiert hat, kennt das: Die Erstellung von Filtern in Gmail bot dem Nutzer tatsächlich einen kleinen Vorgeschmack auf die Hölle: Unübersichtlich, kompliziert einzustellen und mit der ständigen Ungewissheit, dass er nun doch nicht das tut, was er soll.

In Inbox erstellt der Nutzer Filter, ohne es überhaupt zu merken. Beim Verschieben von Nachrichten in einen automatisierten Ordner fragt die UI links unten neben dem obligatorischen „rückgängig", ob diese Aktion für Nachrichten aus dieser Quelle immer durchgeführt werden soll. Wird dies bestätigt, landet jede weitere Nachricht dieses Absenders in einem eigenen Ordnerkasten im Eingangsbereich der App, der alle neuen Emails dieser Sorte sammelt.

Hier hat man nun die Wahl, entweder alle Emails dieses Ordners als gelesen zu markieren, oder jede Nachricht einzeln aus der Inbox in die Ordneransicht zu verbannen. Durch diese Vereinfachung verringern sich die nötigen Klicks oder Taps zur Leerung der Inbox drastisch.

Inbox_iPadEmail

Automatische Sortierung schafft bessere Übersicht

Direkt mit der Filterfunktion verknüpft reagiert diese Funktion sofort auf eingehende Mails und ordnet sie selbständig dem entsprechenden Ordner zu. Das Ergebnis ist eine vorsortierte Inbox: Da sind dann die Emails, die Google als Werbung erkennt, dann die Sammlung der Kaufbestätigungen, darunter die Nachrichten der Familie etc... Diese Vorsortierung erleichtert Ihnen die Entscheidung, welche Email zuerst gelesen werden sollte bzw. welche Nachricht am wichtigsten bzw. dringendsten ist.

Inbox_Safari

Inbox für Desktop-Browser

Auf dem Mac funktioniert Inbox nur in Chrome, Firefox oder Safari – mit allen bekannten Vor- und Nachteilen, die Webapps mit sich bringen. Ein Offline-Modus ist nicht verfügbar. Davon abgesehen ist die Bedienung verführerisch einfach. Alles wird sofort gefunden, allerdings sind viele von Gmail bekannte Einstellungen (noch) nicht vorhanden. Bei den meisten davon fragt man sich aber ohnehin, ob man sie jemals wirklich benötigen wird.

Die Auswahl zwischen unterschiedlichen Informationsdichten in der Darstellung steht bei Inbox automatisch auf „einfach und übersichtlich“. Damit dürften die meisten gut leben können. Was an dem ansonsten schön einfach gestalteten Bedienfeld jedoch fehlt, ist ein direkter Button für das Löschen von Nachrichten. Hierzu muss man - vermutlich zur Verhinderung des versehentlichen Löschens - auf die drei Punkte klicken, die dann ein Auswahlmenü mit weiteren Optionen zur Bearbeitung von Nachrichten preisgeben.

Inbox_iPhone

Inbox als iOS-App

Gmail hat den entscheidenden Vorteil, dass es von den meisten Apps zur Emailverwaltung unterstützt wird. Wie sein Vorgänger ist Inbox für iOS die robusteste App im Store. Alle Features, wie die Sortierungsfrage und der automatisch unterteilte Eingang, sind auf dem iPhone und neuerdings auch auf dem iPad unmittelbar verfügbar.

Gab es bei Gmail durch die vielen shortcuts, die auf den mobilen Plattformen nicht verfügbar waren, noch einen deutlichen Unterschied im Handling, verschwimmen die Grenzen beiInbox. Das Design der Oberfläche wirkt auf iOS nun wie zu Hause und auf OS X ein bisschen zu einfach.

Mit den neuen Features bindet Google Nutzer automatisch an die Nutzung der eigenen Apps: Man gewöhnt sich sehr schnell an die praktische Vorsortierung und vermisst sie folglich in anderen praktischen Apps wie Dispatch und Mailbox. Die Entscheidung für oder gegen Inbox ist demnach eine gravierendere, als es zunächst scheint.

Ein Phänomen, dass mir bei der Arbeit öfters auffällt, trifft auch auf die mobile Version von Inbox zu: In eingeschränkten Netzen ist sie meistens die einzige Email-App, die tatsächlich Nachrichten abrufen kann. Wenn Sie sich ähnlichen Herausforderungen administrativer Art stellen müssen, probieren Sie es doch mal aus.

Inbox_iPhoneRefresh2

Synchronisierung

Da gibt es bei Inbox nicht viel zu erklären. Auf dem Mac macht man sowieso alles auf der Webplattform, das heisst im Browser. Die iOS-Apps synchronisieren entweder automatisch (auf Wunsch auch per Push und im Hintergrund), oder durch das bekannte Herunterziehen der der Oberfläche, bis ein Sync-Symbol erscheint. Alle Änderungen sind in Gmail sind so automatisch auf jedem angemeldeten Gerät verfügbar.

Pro und Contra

Vorteile
+ Übersichtliche und einfache Oberfläche für den Email- Eingang
+ Einbettung der Filterfunktion in den Sortier-Workflow
+ Identischer Look und Funktionsumfang auf iOS
+ Viele der vertrauten shortcuts aus Gmail funktionieren noch

Nachteile
– Keine direkte Löschfunktion (zwei Klicks erforderlich)
– Funktioniert nur mit Gmail
– Keine native Mac-App
– Keine Offline-Funktion (Mac)

Inbox_iPadPinActive

Fazit

Inbox hat sinnvolle Filter- und Sortierfunktionen, die das schnelle Überblicken und bearbeiten eingehender Nachrichten stark beschleunigt. Das Grundproblem, ein gesundes Misstrauen gegenüber dem Datensammler und -Vermarkter Google, wird dadurch eigentlich nur noch schlimmer.

Musste Google bislang über ausgefeilte Algorithmen vom Email-Inhalt auf die Nutzervorlieben und Abneigungen schliessen,um ihm die Werbeeinblendungen zu „personalisieren", erledigt das nun der Anwender selbst. Wenn ich eine Nachricht von einem Prospekt einer Bank in den „Wichtig"- Ordner verschiebe, wette ich dass die Werbeanzeigen auf den von mir besuchten Seiten automatisch mehr Bankenwerbung enthalten.

In Sachen Privatsphäre muss jeder seine persönlichen Grenzen ziehen. Der einzige Kritikpunkt ist, dass man sich nicht gegen diese Art der Kommerzialisierung entscheiden kann. In diesem Sinne vergrössert Google mit Inbox den ohnehin schon tiefen Graben in Bezug auf die Nutzung seiner Dienste.

Bewertung


Google Inbox for Gmail

Gut

Preise und Verfügbarkeit

Google Inbox ist derzeit noch in Erprobung und nur auf Einladung erhältlich. Momentan ist es nur für Chrome und Safari, sowie als Android- und iOS-App* verfügbar. Wie alle Anwendungen von Google ist auch diese für Endkunden kostenlos nutzbar.


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Bilder:
Google Inc; Screenshots: Mathias Rhein
Autor:
Mathias Rhein; Mitarbeit: Thomas Landgraeber

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