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Anwender sollten iOS 7 Beta 1 nicht installieren

iOS7Parade

Warum sich Entwickler-Versionen nicht für den Alltag eignen

Die Online-Welt ist derzeit voller Artikel und Kommentare, in denen sich Leute darüber aufregen, wie schlecht iOS 7.0 Beta 1 ist. Sooo hässlich - und sowas von buggy! Selber angetestet! Wirklich? Hallo? Das ist eine Developer Preview. Für Normalanwender überhaupt nicht zu gebrauchen. Ich erkläre hier mal, warum.

Am Design von Apples neuem mobilen Betriebssystem scheiden sich die Geister. Das ist okay. Über Geschmack lässt sich vortrefflich streiten. Apple wird aufmerksam verfolgen, wie die neue Oberfläche bei der Zielgruppe ankommt und bis zur finalen Version entsprechende Änderungen vornehmen. iOS 7 soll die Interaktions-Schnittstelle für die nächsten 4-5 Jahre werden, da kann man sich keinen Flop leisten. Beim Design ist also noch mit deutlichen Korrekturen zu rechnen.

Doch muss man sich als Apple-Kunde zum Versuchskaninchen machen und die Developer-Preview selber ausprobieren? Sicher nicht. Viele machen es trotzdem. Seit ein paar Tagen erhalte ich diesbezüglich Anfragen von allen möglichen Leuten: Wie funktioniert das richtig? Warum ist alles so schrecklich? Wie komme ich zurück zu iOS 6? Ich kann ihnen nicht helfen.

Es ist keineswegs neu, dass sich Privatanwender an experimentellen OS-Versionen versuchen. Seit jeher fanden Geeks und Fans irgendwelche Wege, brandneue Apple-Software vorab auszuprobieren - und sei es nur aus Neugier oder Ungeduld. Neu ist jedoch, dass inzwischen auch völlig Unbedarfte glauben, ein grundsätzliches Anrecht auf alles Neue von Apple zu haben. Und zwar sofort!

Keine Ahnung, wie überhaupt so viele an die Developer Preview von iOS 7 kommen. Es muss unzählige Download-Seiten geben. Ganz toll. Wenn die Wagemutigen wenigstens so clever wären, iOS 7 Beta 1 auf einem gesonderten iOS-Device zu installieren, welches ausschliesslich Testzwecken dient. Aber nein, sie packen es auf ihr privates iPhone, das sie im Alltag nutzen. Hier ein paar Fakten, weshalb das keine gute Idee ist:

Die meisten Apps funktionieren nicht richtig

iOS 7 bringt einige radikale Änderungen - nicht nur im Design, auch unter der Motorhaube. Neben neuem Multitasking gibt es mehr als 1.500 neue Programmier-Schnittstellen (API), die von den Entwicklern zunächst gesichtet und getestet werden müssen, bevor sie ihre Apps entsprechend anpassen können. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen. Es ist ein langwieriger, teils schwieriger Prozess.

Das iPhone stürzt häufig ab

Von den Problemen sind nicht nur Apps von Drittanbietern betroffen. Auch Apples eigene Anwendungen für iOS 7 sind noch weit davon entfernt, alltagstauglich zu sein. Dafür sind die Neuerungen an der zugrunde liegenden Architektur zu gravierend und vielschichtig. Häufige Abstürze, unerklärliches Einfrieren und andauernde Neustarts sind in einer so frühen Version ganz normal. Entwickler leben damit. Anwender verzweifeln daran.

Daten verschwinden im Nirvana

Previews und Betaversionen verfügen häufig über einen eingebauten Zeitzünder: Die jeweilige Version funktioniert nur bis zu einem bestimmten Termin. So werden Entwickler angehalten, stets aktuelle Versionen zu installieren, um am Ball zu bleiben. Doch auch ohne das Verfallsdatum können herbe Datenverluste drohen - etwa durch korrupte Backups oder plötzliche Inkompatibilitäten.

Es gibt keine Hilfe

Apple bietet keinerlei Endkunden-Unterstützung für Entwickler-Versionen. Man muss sich den Kram schon irgendwie selbst zusammen suchen. Auch von Drittanbietern ist kaum Hilfe zu erwarten. Schliesslich kämpfen die meist selbst mit den Seeds. Abwarten und auf ein baldiges Bugfix hoffen, ist hier meist die Devise. Ansonsten können einem nur einschlägige Foren weiterhelfen.

Es gibt kein Zurück

Die Rückkehr auf eine ältere, stabilere OS-Version ist schlicht und einfach nicht vorgesehen. Zwar existieren im Netz Anleitungen und Hacks, die in bestimmten Fällen helfen können, allerdings gibt es grundsätzlich keine Möglichkeit, Upgrades am Baseband rückgängig zu machen. Downgrade-Versuche können zu erheblichen Problemen bei der Mobilfunk-Anbindung führen - bis hin zu dauerhafter Unbenutzbarkeit. Für Besitzer von iPhone und iPad 3G/Cellular gibt es so gesehen keine Rückfahrkarte für iOS-Upgrades.

Geduld ist gefragt

Solange Apple das neue System nicht für die Allgemeinheit freigegeben hat, ist mit einem geschmeidigen Übergang wie beim Wechsel von iOS 5 zu 6 definitiv nicht zu rechnen. Das sollte jeder wissen, der mit der Idee spielt, Previews zu installieren.

Wenn, dann richtig

Wer es absolut nicht aushält, auf die finale Version zu warten, sollte sich einen gebrauchten iPod touch (oder ähnliches) zulegen. Doch auch auf einem separaten Testgerät drohen gewisse Gefahren, etwa beim Austausch oder Abgleich von Daten mit anderen Apps oder Geräten.

No-go

Was gar nicht geht: Entwickler-Versionen installieren und sich dann in Reviews und Kommentaren über Bugs und Schäden in Drittanbieter-Apps beklagen. Bisher ist keines der im App Store erhältlichen Programme an das neue Betriebssystem angepasst. Mit Kritik sollte man sich also zurückhalten.


Illustration: Apple Inc; Text: Thomas Landgraeber

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