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Wie man mit nervigen "Bewerten Sie diese App"-Dialogen richtig umgeht

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Bilder: Eff Your Review / Tumblr

Sachliche Kritik und geringfügig schlechtere Bewertungen sind wirksame Mittel

Schon seit geraumer Zeit ärgern sich viele iOS-Anwender über Apps, die einen ständig dazu auffordern, eine Bewertung im App Store abzugeben. Warum machen Entwickler das – und was kann man gegen die lästigen Meldungen tun?

Unerwartet auftauchende "Rate-this-app"-Dialoge sind ähnlich nervend wie aufpoppende, alles überlagernde Werbeanzeigen auf Webseiten. Für viele ist das nichts anders als Spam. Störende Ablenkungen, die zudem eine Reaktion des Benutzers erfordern, wirken respektlos und lassen den Anbieter gierig erscheinen.

Warum machen die das?

Die aufdringliche Art ist auch unter Entwicklern umstritten. Die einen halten sie für notwendig, da die Kunden sonst angeblich überhaupt keine Bewertungen abgeben. Die Reviews sind jedoch wichtig, wenn man mit seinem Produkt in der Masse überhaupt wahr genommen werden möchte.

Andere gehen damit vorsichtiger um. Die meisten wissen, dass allzu nachdrückliches Drängen am Ende gar keine oder eher negative Bewertungen einbringen. Vor allem bei hochwertigen, kostenpflichtigen Anwendungen tun Entwickler gut daran, den User nicht zu "proaktiv" anzugehen. Es gibt sanftere Methoden.

Sinnvolle Alternativen

Wie man es besser macht, haben andere längst gezeigt. Es genügt vollkommen, die Möglichkeit für Lob und Tadel in einem Untermenü oder in den Einstellungen der App anzubieten. Die beste Lösung ist eine leicht zu erreichende "Info"- oder "Hilfe"-Rubrik mit folgenden Optionen:

• Bewertung abgeben
• Hilfe-Seiten aufrufen
• E-Mail senden

So hat der Anwender die Wahl, das Produkt zu bewerten, Informationen abzurufen oder Kontakt zum Anbieter aufzunehmen. Das genügt.

Betteln bringt nichts

Die Erfahrung zeigt, dass die Kundschaft nur unter einer von drei Bedingungen freiwillig Bewertungen abgibt:

1. Man ist begeistert und möchte ein Lob aussprechen
2. Die App gefällt insgesamt, es bleiben aber Wünsche offen
3. Das Produkt ist enttäuschend, andere sollen gewarnt werden

Der überwiegende Teil der herunter geladenen Apps wird jedoch nur kurz ausprobiert und verschwindet danach in irgend einem Ordner oder auf den hinteren Seiten des Homescreens. Dort fristen sie dann ein kaum beachtetes Dasein, bis sie irgendwann gelöscht werden.

Für den Anwender sind nur wenige Apps wirklich relevant

In der Regel schaffen es jeweils nur einige Programme, die Aufmerksamkeit des Users länger als ein paar Minuten auf sich zu ziehen. Und nur die wenigsten können sich die Gunst des Nutzers dauerhaft sichern.

Anwender haben zu einem Grossteil der auf ihren Geräten installierten Software keine Meinung. Deshalb ist es wenig zielführend, sie ausgerechnet dann mit der Forderung nach Bewertung zu konfrontieren, wenn sie der App gerade mal wieder eine Chance geben.

Wird ein Programm regelmässsig benutzt, wirkt das ständige Betteln um Sternchen noch abschreckender. Lässt das Produkt aus Kundensicht ohnehin zu wünschen übrig, landet die App schnell im Nirvana.

Kann Apple das nicht unterbinden?

Viele Anwender verstehen nicht, weshalb Apple derlei Belästigungen nicht einfach verbietet. Doch das ist längst der Fall. In Paragraf 5.6 der Nutzungsbedingungen für das iOS-Entwicklerprogramm heisst es seit geraumer Zeit:

"5.6 - Apps cannot use Push Notifications to send advertising,
promotions, or direct marketing of any kind."


Es ist jedoch schwierig bis unmöglich, die Einhaltung dieser Regel durchzusetzen. Zum einen ist es eher unwahrscheinlich, dass die störenden Dialoge während des Prüfverfahrens auffallen. Zum anderen gibt es kaum eine praktikable Handhabe dagegen.

Manche fordern eine Art Petz-Funktion, mit der man allzu freche Apps bei Apple melden kann. Doch das Missbrauchspotential ist gross, die Überprüfung aufwändig und die Beurteilung im Einzelfall schwierig. Was ist eine freundliche Bitte und was eine Zumutung? Das Problem lässt sich nur lösen, indem man an die Vernunft der Entwickler appelliert.

Was man selbst dagegen tun kann

Die Radikal-Massnahme ist eine Negativ-Bewertung mit nur einem Stern und einem Begleit-Kommentar wie "Die App nervt ständig mit der Aufforderung, sie zu bewerten - von mir deshalb nur 1 Stern".

Man sollte aber fair bleiben und sich nur bei richtig schlechten Apps auf diese Weise "bedanken". Ist die Anwendung ansonsten okay, reicht es, lediglich ein oder zwei Punkte abzuziehen und im Kommentar auf den Grund für die Abwertung hinzuweisen – nach dem Motto "Die App hält, was sie verspricht, trotzdem ein Stern Abzug wegen häufiger Review-Prompts".

Feedback, Feedback, Feedback

Die meisten Entwickler sichten regelmässig sämtliche Kommentare und Bewertungen zu ihren Apps in iTunes Connect. Konstruktive Kritik und vernünftige Vorschläge werden normalerweise mit Interesse zur Kenntnis genommen und nicht selten in einem späteren Update auch umgesetzt. Leider hören nicht alle App-Fabrikanten auf ihre Kunden. Andererseits ist nicht jedes angefragte Feature machbar – oder sinnvoll.

Fazit

Anbieter und Anwender sollten aufeinander zugehen. Entwickler sind auf Reviews angewiesen. Kunden können mit sachlichen Argumenten zu Produktverbesserungen beitragen. Dafür müssen die Macher die Wünsche der User aber auch berücksichtigen.


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Bilder: Eff Your Review / Tumblr; Text: Thomas Landgraeber

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