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Geschäftsführer der WeTab GmbH tritt zurück [Update]


Nicht schön, aber sehr sehr konsequent:
Bereits am Samstagmorgen machte die
Story die Runde, dass der WeTab-Geschäftsführer Helmut Hoffer von Ankershoffen möglicherweise selbst 5-Sterne-Rezensionen über das eigene Tablet-Device bei Amazon.de veröffentlicht hat. In einer offiziellen Stellungnahme gegenüber dem Journalisten und Blogger Richard Gutjahr gab von Ankershoffen nun zu, die betreffende Rezension tatsächlich selbst verfasst und unter fremden Namen veröffentlicht zu haben. Er kündigte an, die nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen und seine Tätigkeit als Geschäftsführer der WeTab GmbH ruhen zu lassen. Die Vertretung übernimmt nun der zweite Geschäftsführer Tore Meyer.

Hier die Stellungnahme:
Die beiden fraglichen Rezensionen auf Amazon habe ich privat verfasst ohne mich mit der übrigen Geschäftsführung oder unserer Kommunikationsabteilung abzustimmen. Ich wollte damit meiner Freude über den Markstart und meiner Überzeugung, dass das WeTab ein tolles Gerät ist, Ausdruck verleihen. Inhaltlich stehe ich voll hinter dem, was ich dort geschrieben habe. Ein Fehler war es allerdings, nicht meinen eigenen Namen für die Bewertung zu verwenden. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle entschuldigen! Wegen der anhaltenden Diskussionen in der Öffentlichkeit rund um meine Person in den letzten Wochen habe ich mich daher entschieden, meine Position als Geschäftsführer der WeTab GmbH bis auf weiteres ruhen zu lassen. Die Vertretung der WeTab GmbH nach außen übernimmt weiterhin Geschäftsführer Tore Meyer.” (via: Richard Gutjahr)

Kommentar: (Update)
Das als „iPad-Killer“ vorgestellte WeTab scheint nach wie vor unter keinem guten Stern zu stehen. Schon bei der Pemiere gab es Pannen, die Markteinführung musste mehrmals verschoben werden und als das Produkt dann endlich bei den ersten Kunden eintraf, waren viele enttäuscht. Das Gerät kann nicht vollends überzeugen, da viele der ursprünglich versprochenen Features (noch) nicht funktionieren und es nach wie vor nur sehr wenige Apps gibt, die die Touch-Oberfläche wirklich nutzen. Auch die angekündigte Unterstützung von Android-Apps lässt nach wie vor auf sich warten.

Ausserdem wurden einige Spezifikationen still und leise geändert, was nicht gerade zur Begeisterung der Kunden beitrug. So bringt es statt der ursprünglich angekündigten 800 Gramm nun ein Kampfgewicht von 1 Kilogramm mit - gut ein Drittel mehr, als das iPad.

Das Management hat den Entwicklungsaufwand offensichtlich vollkommen unterschätzt. Nach den vollmundigen Ankündigungen wirkt die Mannschaft nun zunehmend überfordert. Updates kommen nur sehr schleppend und bringen nicht unbedingt die erhofften Verbesserungen.

Das ist schade, denn das WeTab sah zunächst durchaus interessant aus. Allerdings war die firmeneigene PR von Anfang an etwas zu grosskotzig. Apple könne einpacken, hiess es. Dabei war schon früh klar, dass es software-seitig nicht damit getan sein wird, einfach einen Haufen Widgets auf den Startbildschirm zu schmeissen. Zu wesentlich mehr ist aber eine so kleine Firma wie Neofonie kaum in der Lage - es sei denn, es existiert bereits ein angepasstes Betriebssystem mit funktionierendem GUI und einem nennenswerten Software-Angebot.

Die Geschichte des WeTab ist ein exzellentes Beispiel für hoffnungslose Selbstüberschätzung und frappierende Ignoranz gegenüber den tatsächlichen Erfordernissen einer solchen Produktentwicklung. Man dachte wirklich, man könne Apple Paroli bieten, ohne auch nur ein Promille der finanziellen, technischen und personellen Ressourcen zu haben. Das WeTab ist an seinen Schöpfern gescheitert.

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Text: Thomas Landgraeber; via Richard Gutjahrs Blog; Foto: WeTab GmbH

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