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Was wird aus iWeb und iDVD? Und wo ist iWork 11?


Was Apple vorhaben könnte
Viele Mac-Fans waren überrascht, als Steve Jobs gestern auf dem Mac-Event zwar mit iLife 11 eine Neuauflage des beliebten Programmpakets vorstellte, dabei aber kein Wort über iDVD und iWeb verlor. Während iPhoto, iMovie und Garageband viele neue Features erhielten, gingen die beiden Programme beim Upgrade-Segen leer aus. Wie sieht deren Zukunft aus? Und was ist eigentlich mit iWork 11? Eine Analyse.

iDVD
Apples Consumer-Software zum Brennen von DVDs ist vielseitig, einfach zu bedienen und bietet gut aussehende Vorlagen zum Gestalten von Menues und Diashows - allerdings stirbt es seit Jahren einen langsamen Tod. Das letzte grössere Upgrade gab es 2006 mit iLife 06. 2008 kamen noch einmal kleinere Verbesserungen und ein paar neue Vorlagen, aber seitdem ist nichts passiert. iLife 08, iLife 09 und nun auch noch iLife 10 - kein Programm der Familie wurde so lange mit durchgeschleppt wie iDVD.

Da Apple seit Jahren keinen Nachfolger im Programm hat, kann man wohl davon ausgehen, dass der Produktion von optischen Medien keine grosse Aufmerksamkeit mehr beigemessen wird. E-Mails, Websites und Filesharing haben die gute alte DVD als bevorzugtes Weitergabe-Medium für Photos und Videos längst abgelöst. iDVD wird von den allermeisten Usern kaum noch benutzt. Und wer es noch braucht, findet eine etwas betagte, aber gut funktionierende Version in jedem iLife-Paket.

iWeb
Während iDVD also endgültig abgemeldet zu sein scheint, hat iWeb seine grosse Karriere möglicherweise erst noch vor sich. Merkwürdig, dass Apple iLife 10 keine neue Version des Webseiten-Editors beilegt. Insbesondere weil manche der mit iWeb 09 erzeugten Sites derzeit auf iPhone, iPad und anderen Mobilgeräten nicht korrekt angezeigt werden. Hier hätte Apple mit einem neuen iWeb, dass neben wundervollen HTML 5 Styles parallel auch eine anständige Mobil-Version der Seite erzeugt, wirklich glänzen können.

Möglicherweise ist das neue iWeb einfach nicht rechtzeitig fertig geworden und wird demnächst im Mac Store kostenpflichtig nachgereicht. Doch manche Beobachter meinen, Apple messe der persönlichen Homepage keine Bedeutung mehr zu, seit sich alle Welt lieber auf Facebook, Twitter und Co präsentiert. Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass Apple seine modernen Web-Technologien nicht dazu nutzt, den Anwendern vernünftige Werkzeuge zum digitalen Hausbau anzubieten. Das wäre in etwa so, als würde Sony morgen beschliessen, keine Videokameras mehr zu verkaufen.

“Homepage 2.0”?
Einige Branchenkenner halten es für denkbar, dass Apple aus iWeb (wieder) eine Online-Anwendung für MobileMe macht. Statt auf dem eigenen Mac baut der Anwender seine Site einfach mit Hilfe von Safari direkt im Web - auf Apples MobileMe Servern. Eigene Domains lassen sich schon seit iLife 09 einbinden - insofern wäre nicht mal eine umfassende Export-Funktion nötig. Apple hatte schon vor Jahren ein ähnliches MobileMe-Produkt namens Homepage im Programm. Erst kürzlich wurden MobileMe-Kunden darauf aufmerksam gemacht, dass ihre mit dem alten Homepage entstandenen Seiten in Kürze nicht mehr zur Verfügung stehen werden - ein Hinweis auf “Homepage 2.0”?

Neue Pro App?
Seit langem wird spekuliert, Apple könnte eine neue professionelle Anwendung für die Gestaltung von Webseiten, Blogs, Shops und Communities vorstellen, die den Adobe Creative Suites und anderen Platzhirschen Paroli bieten soll. Mit Logic, Final Cut und Aperture hat die kalifornische Firma bereits gut etablierte Pro Apps im Portfolio. Was bislang fehlt ist ein anspruchsvolles Programm für Layout und Webdesign. Da Apple voll auf HTML 5 und CSS 3 setzt und einige “Kerntechnologien” besitzt, halten es viele Fachleute für wahrscheinlich, dass in nicht allzu ferner Zukunft eine solche Design-Suite kommen wird.

iWork 11
Obwohl Apple in den vergangenen Jahren jedes neue iLife-Paket stets zusammen mit einer neuen Version von iWork vorgestellt hat, ist von letzterem bisher weit und breit nichts zu sehen. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine grössere Baustelle. Nachdem es die iWork-Bestandteile Pages, Numbers und Keynote schon seit einiger Zeit auch als iPad-Apps gibt, liegt die Vermutung nahe, dass Apple möglicherweise auch an entsprechenden iPhone-Anwendungen bastelt.

Ausserdem ist da noch iWork.com, welches bisher als Web-Frontend zum Editieren und Austauschen von iWork-Dokumenten noch nicht gänzlich überzeugen konnte. Es ist gut möglich, dass Apple dies alles erstmal in eine einheitliche Form bringt, um es dann als Cross-Plattform-Suite zu vermarkten (Mac, iPhone, iPad, Web). Das könnte noch etwas dauern. Wie zu hören war, hat das iWork-Team 18 Monate benötigt, um die iPad-Apps in die finalen Versionen zu giessen.

Fazit
Noch ist nicht klar, wie es mit iWeb und iWork weitergeht, aber die Idee, den Consumer-Webeditor wieder komplett und das iWork-Paket etwas mehr ins Netz zu verlegen, macht durchaus Sinn. Der Trend zum Cloud-Computing ist ungebrochen und selbst Microsoft ist nach langem Zögern nun vollends auf diesen Zug aufgesprungen. Darüber hinaus könnte es für anspruchsvolle Anwender bald eine neue Pro App für Webdesign aus dem Hause Apple geben. Vor Anfang nächsten Jahres ist jedoch kaum mit grösseren Neuheiten zu rechnen, sonst hätte Apple diese gestern auf dem Mac-Event vorgestellt.

Bild: Apple Inc.; Text: Thomas Landgraeber

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