GEEK OUT
STAY HUNGRY. STAY FOOLISH.

Workshop: So werden Sie ein berühmter Gerüchtekoch



Geek Out zeigt wie einfach es ist, aus einer langweiligen Spekulation ein handfestes Gerücht zu machen, das es bis in die Nachrichten schafft. Lernen Sie in diesem Workshop, wie Sie schnell und ohne viel Aufwand ein berühmter Apple Gerüchtekoch werden.

Die Apple Gerüchteküche hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Früher war es ziemlich mühsam, mit einem neuen Gerücht in der Apple-Welt Aufmerksamkeit zu erregen, oder gar berühmt zu werden. Selbst wenn man richtige Informationen hatte - ohne erstklassigen Leumund und vor allem ohne Angabe vertrauenswürdiger Quellen war es fast unmöglich, in die Schlagzeilen zu kommen. Ausserdem brauchte man unbedingt das richtige Rezept für den perfekten Mix aus Fakten und Vermutungen, um die verwöhnte Fan-Gemeinde zu überzeugen.

Glücklicherweise hat sich das geändert. Heute benötigen Sie all das nicht mehr. Sie brauchen nicht mal ein echtes Gerücht. Sie müssen nur das richtige Rezept haben. Wie einfach es, ein schnelles 2-Sterne-Gerücht zu kochen, lässt sich am besten an einem aktuellen Beispiel zeigen. Heute machten Schlagzeilen die Runde, Apple könnte am 22. Juni die vierte Generation des iPhones vorstellen. Auch renommierte News-Sites wie macnews.de brachten die Nachricht. Dabei geht sie auf nichts weiter als eine blosse Vermutung zurück.

Auslöser war ein Artikel des Redakteurs Michael Essany auf modmyi.com (*). Darin wird berichtet, es gebe Spekulationen darüber, dass Apple für den 22. Juni einen Veranstaltungstermin im Moscone Center in San Francisco gebucht habe. Und da Apple dort bereits drei Generationen des iPhones präsentiert hat, könnte dies auch am 22. Juni der Fall sein.

Wohlgemerkt, der Autor behauptet nicht mal, dass dies ein Gerücht sei, er spricht nur von einer „Spekulation“. Vermutlich wäre das auch nicht weiter aufgefallen, hätten nicht gleich darauf mehrere Sites daraus eine Story und aus Essany eine Kurzzeit-Berühmtheit gemacht. Aber wie ist das passiert?

Nehmen wir an, Sie möchten ein Gerüchtekoch werden, haben ein schönes Gerücht zubereitet, aber weder „gut informierte Quellen“, noch „eindeutige Hinweise“ und schon gar keine echten „Tipps von oben“. Dann müssen Sie einen kleinen Trick anwenden.

Da kaum ein Profi-Journalist seinen Lesern eine allzu dünne Suppe servieren wird, müssen Sie sich zunächst ein paar Nach-Köche besorgen, die aus Ihrem Gebräu eine leckere Consommé machen. Vorzugsweise aus dem semi-professionellem Blogger-Millieu. Ideal sind Profis aus benachbarten Branchen, die auf kleinen, aber guten Sites aktuelle Themen erörtern. Die reichern Ihre Story mit stichhaltigen Argumenten an und liefern vergleichbare Indizien aus der Vergangenheit.

Von da an müssen Sie nichts weiter tun. Sie könne sich zurücklehnen und dabei zusehen, wie Ihr schönes Gerücht auf immer mehr Websites weiter köchelt, bis schliesslich die etablierte Presse die Terrinen mit grosser Parade des Personals der interessierten Öffentlichkeit auftischt.

*Update: Die oben erwähnte Geschichte geht noch weiter. Der Artikel ist inzwischen überarbeitet worden und nennt jetzt nicht mehr das Moscone Center als Veranstaltungsort. Auch Electronista ist sich nicht sicher. Köchel, köchel.

Foto und Text: Thomas Landgraeber

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