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PGP-Erfinder empfiehlt Messaging statt E-Mail

SilentSuite

Bessere Möglichkeiten und mehr Komfort

Phil Zimmerman hat sich als Erfinder von PGP (Pretty Good Privacy) einen Namen gemacht - einem Tool, mit dem man nicht nur E-Mails verschlüsseln und vor den Augen Dritter verbergen kann, sondern auch die Inhalte ganzer Computer. Seit vergangener Woche ist er in den Schlagzeilen, weil er den E-Mail-Dienst seiner Firma Silent Circle freiwillig dicht machte und alle zugehörigen Kundendaten löschte, um sie vor dem Zugriff amerikanischer Behörden zu schützen. In einem Interview mit Forbes überraschte er nun mit der Auskunft, dass er selber PGP nicht mehr nutzt, weil es "auf dem Mac nicht besonders gut läuft". Stattdessen empfiehlt er moderne Messaging-Apps.

In dem Interview geht es hauptsächlich um Gründe und Konsequenzen der Schliessung seines E-Mail-Dienstes. Doch dann bekennt Mac-User Zimmerman, dass er PGP - das er 1991 selbst erfand - fast gar nicht mehr nutzt. Symantec habe die PGP Corporation 2010 für 300 Millionen Dollar gekauft, aber seitdem nicht nennenswert weiter entwickelt. Für die heutige Zeit halte er "Mobile Messaging" ohnehin für besser - und nutzt das Interview gleich für etwas Reklame in eigener Sache.

SilentPhone

Silent Text, der geschützte Mitteilungs-Service seiner jetzigen Firma Silent Circle werde mit der Möglichkeit, neben Textnachrichten auch Dateien verschlüsselt auszutauschen und dem "Burn-Notice"-Feature, das ein automatisches Löschen von Nachrichten zu einem selbst gewählten Zeitpunkt erlaubt, den heutigen gestiegenen Ansprüchen vieler User gerecht, so Zimmerman.

Mit Silent Phone wird eine weitere Anwendung für verschlüsselte Audio- und Video-Kommunikation auf mobilen Plattformen angeboten. Silent Eyes bringt das ganze auf den Desktop. Zusammen werden die drei Apps derzeit als Silent Suite Pro für eine Jahresgebühr von 120 US-Dollar pro Anwender vermarktet.

Der zugehörige E-Mail-Dienst Silent Mail wurde, wie bereits erwähnt, auf eigene Initiative geschlossen. Der Druck amerikanischer Behörden, Zugriff auf die Daten der Kunden zu erhalten, sei einfach zu gross geworden, so Zimmerman. Aus den selben Gründen stellte auch der angeblich von Edward Snowden genutzte Mail-Provider Lavabit den Betrieb ein, was weltweit für Aufsehen sorgte.

"Wenn Sie wüssten, was ich über E-Mails weiss, würden Sie sie nicht nutzen"
Ladar Levinson, CEO Lavabit


Auf die Frage, warum nur der E-Mail-Dienst eingestampft wurde, sagte Zimmerman, dass seine Kunden nur einen Teil ihrer Mail-Kommunikation verschlüsselten, während die übrigen Dienste grundsätzlich verschlüsselt seien und die Firma keine Möglichkeit habe, auf die Keys der Kunden zuzugreifen. Das sei ein wesentliches Merkmal der Produkte.

Nach Zimmermans Angaben befinden sich die Server des Unternehmens in Kanada - ein Land, mit dem die U.S.-amerikanische Regierung umfangreiche Verträge zum Austausch nachrichtendienstlicher Informationen abgeschlossen hat. Für den Fall weiterer Begehrlichkeiten seitens der Behörden denke man deshalb über einen Umzug der IT in ein Land ohne entsprechende Abkommen nach, wie etwa der Schweiz.

Zimmerman betonte, dass es ihm nicht darum ginge, Strafverfolgungsbehörden zu behindern. Wenn die angeforderten Nutzerdaten unverschlüsselt seien und ein ordentlicher Gerichtsbeschluss vorläge, würde er die angeforderten Informationen übermitteln. Details zur Praxis der Geheimdienste und Polizeien könne er nicht nennen, da ihm diesbezüglich Verschwiegenheit verordnet worden sei. Er ist hingegen der Auffassung, dass die Öffentlichkeit über einige wichtige Fakten informiert werden sollte. Lavabit-Chef Levinson hat sich in verschiedenen Interviews ähnlich zu dem Thema geäussert.


Quelle: Forbes; Bilder: Silent Circle; Text: Thomas Landgraeber

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