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iPhone 4: Ist die Antennen-Hysterie übertrieben?


Die meisten Käufer sind sehr zufrieden
Im Internet ist vielerorts ein erbitterter Streit darüber entbrannt, wie ernst das Antennen-Problem beim iPhone 4 wirklich ist und wie Apple darauf reagieren sollte. Für die einen ist es die grösste Pleite, die sich die Firma in letzter Zeit geleistet hat, die anderen halten den Hype darum für völlig überzogen. Wem soll man nun glauben? Was sind die Fakten?

Dan Frommer vom Silicon Alley Insider ist nicht der einzige, der dem immer lauter werdenden Chor der Kritiker
widerspricht: „The iPhone 4 antenna situation is a non-issue, and it's going to blow over without a massive product recall“, so Frommer. Je länger die Diskussion andauert und je mehr „Experten“ sich zu Wort melden, desto eher wachsen die Zweifel, ob es überhaupt ein ernstes Problem gibt.

Das liegt zum einen an der teils fragwürdigen Reputation mancher Kritiker. So machten die Tester der US-Verbraucherschutzorganisation
Consumer Union heute eine 180-Grad-Wende, indem sie ihr ursprüngliches Testergebnis „Kaufempfehlung“ zurück nahmen und nach erneuten Labortests nun vom Kauf abraten.

Viele populäre Websites haben zunächst das Apple-Credo unreflektiert nachgeplappert und glaubten, das Problem könnte mit einem Software-Fix beseitigt werden. Nun beteiligen sich dieselben Sites - meist ebenso unbedarft - an der offenen Kritik an der Firmenpolitik. Heute empfahlen zudem mehrere
PR-Experten, Apple solle eine sofortige Rückrufaktion starten, wenn der Ruf der Firma nicht nachhaltig beschädigt werden soll. Es war auch schon vom „Toyota der Computerbranche“ die Rede.

Die Frage ist doch: Wie viele Kunden sind tatsächlich betroffen? Umfragen zufolge sind die allermeisten Käufer überaus zufrieden mit dem iPhone 4. Andererseits ist unstrittig, dass nicht gerade wenige Anwender erhebliche Schwierigkeiten mit dem Mobilfunkempfang haben, vor allem in Gebieten mit schwacher oder überlasteter Netzanbindung - und vor allem in den USA. Bei europäischen Kunden scheint das Problem seltener aufzutreten.

Fest steht, dass Apple die Angelegenheit herunterspielt. In den bisherigen
Stellungnahmen wird lediglich ein Anzeigefehler bei der Signalstärke eingeräumt, der durch ein Software-Update behoben werden könne. Das Problem mit der Handabschirmung sei normal bei Geräten dieser Art. Die Firma empfiehlt bei Störungen die Verwendung einer Schutzhülle, die für die nötige Isolierung zwischen Fingern und Gehäuse sorgt.

Ja, Apple hat Fehler gemacht. Der Hinweis auf die Schutzhülle ist ein offenes Eingeständnis, dass das Antennen-Design des iPhone 4 - zumindest in seiner jetzigen Ausführung - nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Viele Fans verstehen nicht, weshalb Apple nicht zugeben will, dass sich dieses Manko
nicht per Software beseitigen lassen wird und einfach kostenlose Bumper-Hüllen verteilt.

Die Kundenkommunikation ist bisher ohnehin recht unglücklich verlaufen. So haben weder der
Brief an iPhone 4 Besitzer, noch die Emails eines gewissen Steve Jobs zum Thema - echt oder nicht - bei den Kunden für Begeisterung gesorgt. Hier hätte Apple das Klima leicht durch eine offenere Kommunikation verbessern können. Was das Image jetzt schon trübt ist die Tatsache, dass die ganze öffentliche Debatte die notorischen Apple-Basher mobilisiert, die jetzt sämtliche Foren mit ihren Ansichten beglücken.

Eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage, ob die ganze Hysterie nicht übertrieben ist, lässt sich ohne verlässliche Zahlen nicht seriös beantworten. Fakt ist, es gibt reichlich Betroffene und deren Ärger ist verständlich. Das gleiche gilt für Anwender, die Probleme mit dem Umgebungssensor des Telefons haben - eine weitere Baustelle beim neuen iPhone. Allerdings scheint es dafür bereits seit einiger Zeit Erfolg versprechende
Lösungen zu geben.

Es wird interessant sein zu sehen, wie Apple in den nächsten Tagen auf die anhaltenden Beschwerden reagieren wird, die längst auch Mainstream-Medien und Börsen-News erreicht haben. Auch wenn sich Fachleute darüber einig sind, dass solche Vorkommnisse den Ruf eines Unternehmens nicht unbedingt nachhaltig schaden, so gibt es doch etliche Beispiele, bei denen genau das eingetreten ist: Das Vertrauen in die jeweilige Marke ging verloren und musste erst mühsam wieder hergestellt werden.

All das ist im Gebäude 1 Infinite Loop seit langem bekannt.
Die Apple-Welt wartet gespannt auf ein Zeichen des grossen Vorsitzenden.

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Bild: Apple; Quellen: Business Insider, Consumer Union, Cult of Mac, Apple; Text: Thomas Landgraeber

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