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Eine Tour durch Apples geheime "Black Labs" [Update]



Wie im Science-Fiction-Film:
Auf der iPhone 4 Pressekonferenz wies Steve Jobs darauf hin, dass Apple über 100 Millionen Dollar in umfangreiche Einrichtungen zum Testen von Funktechnik investiert hat, um genau zu verstehen, wie sich z.B. ein Smartphone bei Störungen verhält. Ausgewählte Journalisten wurden nach der Veranstaltung zu einer Tour durch die sogenannten „Black Labs“ eingeladen - jenen Ort auf dem Fimengelände, der selbst für die meisten Mitarbeiter streng geheim ist. Für Normalanwender bietet Apple auf einer Infoseite und in einem eigens gedrehten Video einige interessante Einblicke.

Es war das erste Mal, dass Apple eine solche Führung angeboten hat - und die Tour-Guides waren prominent. Wie
Engadget berichtet, gaben Phil Schiller, Greg Joswiak, Bob Mansfield sowie Ruben Caballero bereitwillig Auskunft über die Funktionen der einzelnen Messlabore und erläuterten deren Spitznamen. Die Besucher sollen sich vorgekommen sein, wie in einem Science-Fiction-Film.



Kein Wunder, denn der Aufwand ist riesig, wenn man - wie Apple mit seiner strikten Geheimhaltungspolitik - keine Fremdfirmen beauftragen will, um alle nötigen Spezifikationen nachzuweisen, die für eine amtliche Zulassung als „Funkeinrichtung“ vorliegen müssen. Bei vielen anderen Firmen machen das spezialisierte Labore oder Institute. Doch weil Apple neue Produkte niemals früher als irgend möglich in fremde Hände gibt, arbeiten allein in dieser High-Tech-Funkwarte angeblich 40 hoch spezialisierte Ingenieure und Wissenschaftler.

Apple testet hier nicht nur iPhones, sondern alle Produkte, die Mobilfunk, GPS, WLAN oder Bluetooth unterstützen. Das benötigte Equipment ist ebenso exotisch, wie teuer. Apple ist stolzer Besitzer einiger der besten Messplätze der Welt. Allerdings könnte man das von einem Hersteller, der allein über eine Million Smartphones pro Woche verkauft, auch erwarten.



Steve Jobs hat gestern noch einmal den Anspruch der Firma
formuliert, dass man Schlüsseltechnologien selbst besitzen sollte, denn wenn man sie nur leiht oder lizenziert, kämen irgendwann die Eigentümer und machten Probleme. Wenn man die Bilder von den Funklaboren sieht, kann man sich ausmalen, wie es in anderen Abteilungen bei Apple aussieht. Denn die Firma leistet sich nicht nur beim iPhone das komplette In-House-Paket. Es wird noch etliche andere „Black Labs“ geben.

Auch wenn es ein bisschen so aussehen soll, als wäre halb Cape Caneveral allein für die Antennen des iPhones angeschafft worden, so zeigen die wenigen Einblicke doch sehr anschaulich, welcher unglaubliche Aufwand für die Entwicklung von High Tech nötig ist. Und was dort täglich an Ingenieurarbeit geleistet wird. Eigentlich klar - aber es soll ja Leute geben die glauben, dass Apple die Telefone nirgendwo sonst testet, als in
deutschen Bars in Kalifornien. Und verpackt in Tarngehäuse, damit die Konstruktionsfehler nicht auffallen.

Es ist im übrigen bemerkenswert, dass bei der Tour gestern auch der für Antennentechnik zustänige Chefentwickler Ruben Caballero anwesend war. Das ist die Person, die
Meldungen des Börsen-Nachrichtendienst Bloomberg zufolge angeblich frühzeitig von den zu erwartenden Problemen des iPhone 4 gewusst und das Management davor gewarnt haben soll - darunter auch Steve Jobs.

Dass Caballero jetzt bei der Tour durch die Räumlichkeiten mit herum spazierte, sollte wohl bedeuten: „Seht her, das ist der Typ. Wir verstecken ihn nicht. Fragt ihn doch, was an der Bloomberg-Story dran ist.“ Ein ebenso cleverer, wie charmanter Zug.

Bilder: Apple; Text: Thomas Landgraeber

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