Android SDK wird proprietär [Update]

AndroidSDK

Soviel zum Thema "freie Software"

Android-Fans verweisen gerne auf die Vorteile freier Software. Damit scheint es nun jedoch vorbei zu sein: Entwickler, die das aktuelle Software-Development-Kit (SDK) zum Programmieren ihrer Android-Apps verwenden wollen, müssen einem Lizenzabkommen mit Google zustimmen, sonst dürfen sie die Tools nicht benutzen. Die Bedingungen haben es durchaus in sich.

"§2.1 - In order to use the SDK, you must first agree to this License Agreement. You may not use the SDK if you do not accept this License Agreement."

Allein schon dieser eine Satz steht in krassem Widerspruch zur allgemeinen Auffassung von "freier Software", wonach es keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der Verwendung geben sollte. Die aktuellen Bedingungen zur Nutzung des SDK halten aber noch weitere Überraschungen bereit, wie etwa Folgendes:

"§3.2 - You agree that Google or third parties own all legal right, title and interest in and to the SDK, including any Intellectual Property Rights that subsist in the SDK. "Intellectual Property Rights" means any and all rights under patent law, copyright law, trade secret law, trademark law, and any and all other proprietary rights. Google reserves all rights not expressly granted to you."

Oder das hier:
"§3.3 - You may not use the SDK for any purpose not expressly permitted by this License Agreement."

So sieht also die schöne freie Software-Welt aus, die Google vorschwebt. Im Netz formiert sich bereits Widerstand. Hilfe ist auch schon in Sicht: Entwicklern, die mit den Bedingungen nicht einverstanden sind, steht seit gestern das freie, alternative Replicant 4.0 SDK zur Verfügung.

Die Existenz von konkurrierenden Entwicklungswerkzeugen läuft allerdings den allgemeinen Bestrebungen zur Vermeidung weiterer Fragmentierung des Betriebssystems zuwider.

Ganz neu sind die Restriktionen im übrigen nicht. Die Verwendung des Android SDK unterliegt schon seit einiger Zeit Googles Nutzungsbedingungen. Neu ist hingegen, dass man diesen ausdrücklich zustimmen muss.

Nun bedeutet eine SDK-Lizenzierung nicht, dass es sich um eine geschlossene Plattform handelt. Den Entwicklern steht es frei, andere Werkzeuge zu benutzen. Allerdings dürfte es für Software-Anbieter ohne die offiziell zur Verfügung gestellten Mittel schwierig sein, grösstmögliche Kompatibilität, Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten.

Angesichts der Tatsache, dass Google für die Bereistellung der Android-Plattform unter anderem erhebliche Summen an Lizenzgebühren an andere Unternehmen zu zahlen hat, ist es verständlich, dass man für die gratis angebotenen SDK rechtlich bindende Regeln aufstellt.

Die Lizenzbedingungen anderer Firmen wie Apple und Microsoft sind im Ganzen noch wesentlich restriktiver und sorgen mitunter für bizarre Kollateralschäden. Dennoch ist es bemerkenswert, wie Google nun versucht, ebenfalls mehr Kontrolle über sein mobiles Ecosystem zu gewinnen.

Es wird interessant sein zu sehen, ob das Unternehmen auf Dauer damit durchkommt, ein angeblich offenes Betriebssystem derart zu reglementieren. Es ist absehbar, dass weitere Zumutungen für Hersteller und Anwender folgen werden, solange es keine allzu grossen Proteste gibt.

Die Diskussion darüber wird die begrenzten Möglichkeiten freier Software in einer durchpatentierten Welt deutlich vor Augen führen.

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Quelle: Torsten Grote; Bild: Google Inc; Text: Thomas Landgraeber

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